Vom Prompt zum finalen Video: professionelle AI-Videos erstellen

12.01.2026, Design, von: Sabina Bauer

Ein Klick und das Video ist fertig. So wird sich die Generierung von AI-Videos oft vorgestellt. In der Praxis ist der Prozess jedoch deutlich komplexer. In diesem Artikel geben wir einen Blick hinter die Kulissen und zeigen, welche Arbeitsschritte notwendig sind, um ein professionelles AI-generiertes Video zu realisieren.

Als Beispiel dient unsere neue Logo-Animation auf der Startseite unserer Webseite. Die Idee: Das Logo wird dreidimensional dargestellt. WĂ€hrend es sich dreht, nimmt es unterschiedliche Materialien an und morpht somit in einer fließenden Bewegung von einem Material zum NĂ€chsten.

Arbeitsprozess

Konzept

Wie bei jedem Kreativprozess steht auch bei der AI-Generierung das Konzept an erster Stelle. Bereits vor der Generierung sollte deshalb klar definiert werden, wie das Video aufgebaut ist und wie die ÜbergĂ€nge aussehen sollen. Da AI-Videos in â€žFirefly“ aktuell auf eine LĂ€nge von 4–8 Sekunden begrenzt sind, muss bei lĂ€ngeren Videos im Vorfeld geplant werden, an welchen Stellen Schnitte gesetzt werden. So lassen sich mehrere kurze Sequenzen nahtlos aneinanderreihen und das Ergebnis gezielt steuern.

Skizze des finalen Konzepts. Hier werden die geplanten Teilvideos, sowie deren ÜbergĂ€nge festgehalten.

Bildgenerierung

„Firefly“ bietet bei der Videogenerierung die Option, einen Start- und Endframe festzulegen, was eine prĂ€zise Kontrolle ĂŒber das Ergebnis ermöglicht. Aus diesem Grund werden zunĂ€chst diese beiden Frames fĂŒr den ersten Videoabschnitt mithilfe des Text-zu-Bild-Generators „Firefly Image 3“ generiert.

Dabei kann sowohl eine Stil- als auch eine Kompositionsreferenz angeben werden. FĂŒr die Kompositionsreferenz verwenden wir unser Logo im 3D-Look. Dieses erstellten wir zuvor in „Illustrator“, da das Programm Vektorgrafiken dreidimensional darstellen kann. Als Stilreferenz eignet sich ein Bild, das das gewĂŒnschte Material des Logos zeigt. In diesem Fall soll das Logo aus Brokkoliröschen bestehen. Dieses Bild kann entweder aus vorhandenem Bildmaterial stammen oder ebenfalls mit AI generiert werden.

Anschließend wird ein Prompt verfasst. Dieser sollte eine kurze, prĂ€gnante Beschreibung des gewĂŒnschten Bildes und idealerweise auf Englisch formuliert sein. Wichtig ist eine klare Beschreibung des Motivs, des Materials, des Hintergrunds und des Stils. Optional kann auch die Kameraperspektive, Lichtsetzung und Stimmung angegeben werden.

Nun können die Bilder generiert werden. Hier gilt: Trial and Error. Oft sind mehrere AnlĂ€ufe nötig, bis ein ĂŒberzeugendes Ergebnis erzielt wird. Dazu werden die Prompts schrittweise prĂ€zisiert und angepasst. Dabei kann auch ChatGPT zur UnterstĂŒtzung beim Formulieren und Optimieren der Prompts eingesetzt werden.

Prompt: „The lettering completely covered in tiny broccoli florets, floating in mid-air, 10 broccoli buds suspended around, soft diffused lighting, clean minimalist style. Floating on white background.“

Bildgenerierung im Image-3-Generator von Firefly. Auf der linken Seite wurden die beiden Referenzbilder geuploadet und weitere Bildeinstellungen getroffen. Unten wurde der Prompt angegeben.

Bildbearbeitung

Es kann vorkommen, dass trotz unzÀhliger Versuche manche Details in den Bildern nicht perfekt umgesetzt werden. Das liegt daran, dass sich AI nicht vollstÀndig steuern lÀsst. So können beispielsweise keine direkten Werte vorgegeben werden, etwa ein leerer Hintergrund, prÀzise Schatten oder exakte Farbwerte.

Dennoch ist es wichtig, dass die Bilder fĂŒr Start- und Endframe optimal sind, da sie uns die beste Kontrolle ĂŒber die Videogenerierung ermöglichen. Daher ist eine Bildbearbeitung mittels „Photoshop“ sinnvoll. Hier können GrĂ¶ĂŸe, Position und Farbwerte des Bildes angepasst, Störendes weggeschnitten und Details wie Schatten und Spiegelung hinzufĂŒgt werden.

Bildbearbeitung in Photoshop. Auf der rechten Seite sind verschiedene Masken, Filter und Effekte ersichtlich, die auf das Bild angewendet wurden, um es freizustellen und Schatten sowie Spiegelungen hinzuzufĂŒgen.

Videogenerierung

Jetzt sind wir bereit fĂŒr die Videogenerierung! Wir benutzen dafĂŒr den Bild-zu-Video-Generator „Firefly Video“.

Die Vorgehensweise Ă€hnelt der Bildgenerierung: Als Referenz dienen die zuvor bearbeiteten Start- und Endframes. Der Prompt sollte genau beschreiben, wie sich das Logo bewegt und wie der Übergang von einem Material zum NĂ€chsten verlĂ€uft. ZusĂ€tzlich können Informationen zur Bewegungsrichtung, zum Timing und zur gewĂŒnschten AtmosphĂ€re nĂŒtzlich sein. Und auch hier sind wahrscheinlich einige Versuche notwendig bis das Ergebnis ĂŒberzeugt.

Prompt: „The broccoli logo first gradually changes its material to shiny silver metal while retaining its broccoli shape. Then it smoothly morphs its form into the smoothly simple shaped silver metallic logo. Fluid, elastic, slightly chaotic motion, seamless material and shape transformation, realistic reflections, soft studio lighting, static camera, clean background.“

Videogenerierung in Firefly Video. Auf der linken Seite wurden die beiden Referenzbilder fĂŒr Start- und Endframe angegeben sowie zusĂ€tzliche Videoeinstellungen getroffen. Unten wird wieder der Prompt festgelegt.

Videobearbeitung, Schnitt und Export

Nachdem alle Teilvideos fĂŒr unsere Idee generiert wurden, mĂŒssen auch hier, Ă€hnlich wie bei der Bildgenerierung, noch Nachbesserungen vorgenommen werden. DafĂŒr eignet sich z. B. die Videobearbeitungs- und Animationssoftware „After Effects“.

ZunĂ€chst werden Farbkorrekturen an den Videos durchgefĂŒhrt. Da in unserem Fall die Hintergrundfarbe teilweise unerwĂŒnscht wechselt und einzelne Elemente aus dem Frame ragen, werden die Teilvideos mithilfe von Masken, „Keying“ oder dem „Roto Brush“-Tool freigestellt.

Im Anschluss werden die Videos im Schnitt aneinandergereiht. Nahtlose ÜbergĂ€nge entstehen durch gezielten Schnitt und Morphing-Effekte, wĂ€hrend die Geschwindigkeit der Teilvideos durch den Effekt „Zeitzerrung“ im „Graph Editor“ angepasst wird.

Abschließend wird das fertige Video mittels „Media Encoder“ exportiert und gerendert, um es in der gewĂŒnschten Auflösung und im passenden Format bereitzustellen.

Videobearbeitung und Schnitt in After Effects. Oben links wurde der Effekt Linearer Color-Key angewendet, um das Video freizustellen. Gleichzeitig ist unten rechts die Animationskurve des Effekts Zeitverzerrung zu sehen, mit der das Timing des Videos angepasst wird.

Aus dem Arbeitsprozess wird ersichtlich: Die Videogenerierung stellt nur einen kleinen Teil des Workflows dar. AI kann ein hilfreiches Tool im Kreativprozess sein, um Ideen schnell zu visualisieren und ist besonders gut in der Kombination von verschiedenen Motiven, doch es ersetzt nicht die komplette gestalterische Arbeit. Grenzen in der Steuerbarkeit, fehlende PrÀzision bei Details und die geringe Konsistenz zwischen einzelnen Generierungen erfordern weiterhin die Kontrolle, Iterationen und manuelle Nachbesserungen durch Designer*innen, um ein professionelles Ergebnis zu erzielen.