CMS-Vergleich: Wordpress 5.8 vs. Typo3 LTS 11

29.10.2021, CMS

Immer wieder begegnet uns in der Praxis die Frage nach dem geeignetsten Content Management System (CMS) f├╝r ein Website-Projekt. Sehr oft wird dann vom Auftraggeber selbst ÔÇ×WordPressÔÇť ins Spiel gebracht, da dieses System sehr weit verbreitet ist und im Ruf steht, einfach bedienbar zu sein.

Doch so eindeutig ist die Sache nicht. WordPress hat gegen├╝ber anderen Content Management Systemen, vor allem im Bereich Sicherheit, auch gravierende Nachteile und ist daher oft definitiv nicht die beste Wahl.

In der nachfolgenden ├ťbersicht finden Sie einen Vergleich zwischen WordPress und dem ebenfalls sehr bekannten CMS ÔÇ×Typo3ÔÇť.

Ursprung

WordPress

Typo3

Allgemeine Info

WordPress

  • WordPress wurde urspr├╝nglich f├╝r Blog-Webseiten entwickelt und erst sp├Ąter durch viele (externe) Plugins zum CMS erweitert.
  • Die Konfiguration und Bedienung f├╝r einfache Webseiten ist auch f├╝r Nicht-Entwickler relativ unkompliziert, daher hat sich Wordpress weltweit rasch verbreitet (ca. 40% der Webseiten sind mit Wordpress umgesetzt).
  • Dadurch ist es allerdings auch bei Hackern sehr beliebt, weshalb Updates sowohl von WordPress als auch von allen installierten Plugins unbedingt zeitnah eingespielt werden sollten.

Typo3

  • Typo3 war schon immer als Enterprise CMS konzipiert und ist auch f├╝r komplexe und mehrsprachige Webseiten gut geeignet.
  • Die technische Konfiguration verlangt Fachwissen.
  • Typo3 ist vor allem im deutschsprachigen Raum weit verbreitet.
  • F├╝r die Weiterentwicklung von Typo3 gibt es eine zeitlich genau definierte Roadmap, welche die Unterst├╝tzung einer LTS Version mit Sicherheitsupdates f├╝r 3 Jahre und alle 1,5 Jahre neue LTS Versionen mit neuen Features vorsieht. Dadurch sind gr├Â├čere Updates gut planbar.

Grundlegende Ausrichtung

WordPress

  • WP war eine Blog-Software und hat sich erst nach und nach zu einem CMS entwickelt.
  • Es eignet sich am besten f├╝r einsprachige Blogs und kleine bis mittelgro├če Webseiten mit flacher Navigationsstruktur, die keine speziell hinzuprogrammierten Funktionalit├Ąten ben├Âtigen.

Typo3

  • Typo3 war schon immer als Enterprise CMS konzipiert und eignet sich auch f├╝r gr├Â├čere Website-Projekte mit komplexeren Funktionalit├Ąten (z.B.┬áAnbindungen an Schnittstellen etc), erweiterten Frontend Rechteverwaltungen (z.B. Sichtbarkeit von Seiten) und mehrsprachigen Webseiten.
  • Auch im Backend erm├Âglicht Typo3 eine komplexe Rechteverwaltung (z.B. Einschr├Ąnken der Bearbeitungsrechte auf Seitenebene, Contentelement-Typen, Modulen etc.).

Bedienbarkeit f├╝r die Content-Wartung

WordPress

  • WP benutzt keinen Seitenbaum in der Wartungsoberfl├Ąche, die Men├╝struktur f├╝r das Frontend wird in einem eigenen Modul eingestellt.
  • Solange die jeweilige Website klein ist und ohne individuelle Funktionalit├Ąt bzw. ohne viele Plugins auskommt, ist die Bedienung einfach.
  • Ist eine Website umfangreicher oder bietet viele Funktionen, so steigt auch die Komplexit├Ąt der Wartung ├╝berproportional stark an, da es keinen Seitenbaum gibt und viele Funktionen ├╝ber das gesamte System bzw. die genutzten Plugins ÔÇ×verstreutÔÇť sind. WordPress wird in einem solchen Fall sehr schnell sehr un├╝bersichtlich.
  • Seiten werden grunds├Ątzlich ├╝ber den Gutenberg-Editor aufgebaut.

Typo3

  • Typo3 benutzt einen Seitenbaum in der Benutzeroberfl├Ąche, was die Bedienung intuitiver werden l├Ąsst.┬áDie jeweiligen Seiten k├Ânnen direkt ausgew├Ąhlt werden.
  • Da Typo3 auch f├╝r gr├Â├čere Projekte ausgelegt ist, hat es aber von Grund auf wesentlich mehr Funktionen als WP. Daher ist es auf den ersten Blick auch etwas komplexer zu bedienen.
  • Steigt der Umfang bzw. die Funktionsvielfalt einer Website an, so kommt die logische Struktur von Typo3 auch in Bezug auf die Website-Wartung immer positiver zur Geltung.

Sicherheit

WordPress

  • WP ist das am meisten genutzte CMS weltweit und daher besonders im Fokus der Hacker.
  • Sehr viele Funktionen sind aber nur mit Plugins von externen Entwicklern realisierbar. Viele dieser Plugins sind nicht ausreichend sicher programmiert und daher sind die Plugins fast immer das Einfallstor f├╝r Hacker. Dieses Sicherheitsproblem ist auch einer der Hauptkritikpunkte an WordPress.

Typo3

  • Typo3 ist ebenfalls weit verbreitet (besonders im deutschsprachigen Raum), aber im Vergleich zu WordPress gibt es deutlich weniger Installationen.
  • Viele Funktionen sind bereits im CMS selbst integriert. Daher werden wesentlich weniger Erweiterungen ben├Âtigt.
  • Bei der Entwicklung von Typo3 wurde der Fokus schon immer auch auf Sicherheit gelegt. Typo3 hat eine zeitlich fix definierte Roadmap, dadurch stehen Sicherheitsupdates ohne Funktions├Ąnderungen 3 Jahre gratis zur Verf├╝gung.┬á
  • Seit Version 11 unterst├╝tzt Typo3 standardm├Ą├čig Multifaktor-Authentifizierung f├╝r das Backend.

Update-Zyklen

Nur ein System (inkl. aller verwendeten Erweiterungen), das immer am aktuellen Stand ist, bietet bestm├Âglichen Schutz.

WordPress

Neue Versionen von WordPress werden zwar mit einem potentiellen Ver├Âffentlichungsdatum angek├╝ndigt, diese verschieben sich allerdings auch oft um einige Monate. Dadurch sind┬áVersionsspr├╝nge, welche Funktions├Ąnderungen beinhalten, nur schwer planbar.

Typo3

Typo3 folgt seit der Einf├╝hrung der LTS (Long-Term-Support) Versionen einem fixen Zeitplan. Alle 1,5 Jahre wird eine neue LTS Version mit neuen Funktionen ver├Âffentlicht. Jede LTS Version wird insgesamt 3 Jahre lang gratis mit Sicherheitsupdates unterst├╝tzt, danach kann man einen kostenpflichtigen┬áExtended Long Term Support┬áerwerben. Durch den fixen Zyklus sind Updates gut planbar.

Erweiterungen

WordPress

  • Plugins sind oft schon f├╝r einfache Anforderungen (z.B. erweiterte SEO Einstellungen) notwendig
  • Plugins oft kostenpflichtig
  • Entwicklung eigener Plugins m├Âglich

Typo3

  • Extensions nur f├╝r spezielle Anforderungen notwendig
  • Gro├čteil der Extensions gratis
  • Entwicklung eigener Extensions m├Âglich

Geschützte Bereiche auf einer Website, die mittels Login der User erreichbar sind 

WordPress

  • Eignet sich weniger f├╝r Frontend-Logins (keine Trennung Backend- und Frontend-User)
  • Eigenes Frontend-Login nur mit Plugin m├Âglich
  • Gesch├╝tzter Bereich nur mit externen Plugins m├Âglich
  • Gesch├╝tzte Downloads nur mit externen Plugins m├Âglich

Typo3

  • F├╝r komplexe Benutzerverwaltung auf der Webseite geeignet (klare Trennung von Backend- und Frontend-Usern)
  • Eigenes Frontend Login standardm├Ą├čig vorhanden
  • Jede Seite und jedes Content-Element kann mit einer Frontend-User Gruppe versehen werden.
  • Gesch├╝tzte Downloads nur mit Plugins m├Âglich

Technischer Wartungsaufwand bei Updates 

WordPress

  • Aufgrund der regelm├Ą├čigen Updates von WordPress sowie den installierten Plugins und den damit eventuell einhergehenden Feature-├änderungen hoher Testierungsaufwand bei jedem Update.

Typo3

  • Sicherheitsupdates bringen keine Feature-├änderungen mit sich. Sie sind daher im Normalfall schnell eingespielt und ben├Âtigen nur eine Grobtestierung.
  • Wechsel zur n├Ąchsten LTS-Version aufwendiger, allerdings wird die LTS-Version insgesamt 3 Jahre lang mit Sicherheitsupdates versorgt. Ein Extended Support (kostenpflichtig) ist f├╝r weitere 3 Jahre m├Âglich.

Mehrsprachigkeit

WordPress

  • WordPress bietet keine native Unterst├╝tzung f├╝r mehrsprachige Webseiten.
  • Mehrsprachigkeit nur ├╝ber Plugins m├Âglich

Typo3

  • Typo3 bietet native Unterst├╝tzung f├╝r mehrsprachige Webseiten.
  • Typo3 ist Multi-Domain f├Ąhig (mehrere Domains verwenden dieselbe Typo3 Installation).

SEO-Optimierung

WordPress

  • Sprechende URLs
  • URL-Management bei komplexen Seiten un├╝bersichtlich (kein Seitenbaum, nur Elternseite w├Ąhlbar)
  • Vorkonfigurierte Basis SEO Einstellungen standardm├Ą├čig nur f├╝r gesamte Webseite m├Âglich
  • Individuelle Einstellungen pro Seite nur ├╝ber Plugins m├Âglich

Typo3

  • Sprechende URLs
  • ├ťbersichtliches URL-Management (Seitenbaum)
  • Vorkonfigurierte Basis SEO Einstellungen
  • F├╝r jede Seite individuelle Einstellungen f├╝r Title, Meta Description, Meta Keywords, Canonical Link, Index und Follow Attribut

Social Media Share Optionen (Festlegung was angezeigt wird, wenn eine Seite z.B. auf Facebook geteilt wird)

WordPress

Ja, aber nur ├╝ber Plugin m├Âglich

Typo3

Ja, f├╝r jede Seite individuelle Einstellungen f├╝r Facebook (Bild, Titel, Beschreibung) und Twitter (Bild, Titel, Beschreibung) m├Âglich

Verwaltung von Bildern und Videos in der Content-Wartung

WordPress

  • Vom Grundsystem her keine Ordnerstruktur m├Âglich. Alle Bilder und Videos werden in einem einzigen Ordner gespeichert.
  • Ordnererstellung nur ├╝ber Plugin m├Âglich

Typo3

  • Erstellen von Ordnern zur Strukturierung m├Âglich
  • Erweiterte Metadaten (z.B. Copyright m├Âglich)

Fazit

Welches CMS besser geeignet ist, h├Ąngt grunds├Ątzlich von 2 Faktoren ab:

  • Funktionsumfang und inhaltlicher Umfang der Website
  • Kenntnisse des Entwicklerteams

Gr├╝nde f├╝r Typo3

Typo3 ist wesentlich flexibler was den Einsatzbereich betrifft. Dadurch erfordert es f├╝r Programmierer mehr Einarbeitung und ist f├╝r Redakteure etwas komplexer (aber logischer strukturiert) in der Wartung. Arbeitet man aber als Redakteur regelm├Ą├čig mit Typo3, so ist es durch seinen logischen Aufbau und den Seitenbaum, den es bei WordPress nicht gibt, effektiver zu bedienen als WordPress.

Typo3 eignet sich besser f├╝r umfangreichere Websites oder Websites mit individuell programmierten Funktionalit├Ąten. Wenn die k├╝nftige Erweiterbarkeit und Skalierbarkeit einer Website wichtig ist, dann ist Typo3 zu bevorzugen.

Typo3 ist das sicherere System.

Gr├╝nde f├╝r WordPress

Wenn das Entwicklerteam ├╝ber kein Know-how in Bezug auf Typo3 verf├╝gt, sollte eher WordPress verwendet werden. (Wenn das Entwicklerteam bei beiden Systemen gleiche Kenntnisse hat, dann ist Typo3 zu w├Ąhlen.)

WordPress ist auch bei einfach aufgebauten Seiten (wie beispielsweise ein Blog oder eine Portfolio Seite) zu bevorzugen, die von Personen ohne jeglichen Webwartungskenntnissen bearbeitet werden, denn die grundlegende Einarbeitung in die Basics der Webwartung geht bei einfach aufgebauten Websites bei WordPress schneller.

Prinzipiell gilt: Alles was WordPress kann, kann auch Typo3 ÔÇô aber nicht umgekehrt.

Diesen CMS-Vergleich gibt es auch als PDF zum downloaden.